Hallo Tom,
erst mal vielen Dank für das Lob – es freut mich, wenn unsere Tipps hilfreich sind, und es freut mich, dass du ebenfalls mit dem Gedanken spielst, nach Italien auszuwandern.
Dass du dir vor dem großen Schritt einige Gedanken machst, finde ich sehr positiv. Bei vielen habe ich das Gefühl, dass sie a la „Goodbye Deutschland“ mit 2000 EUR in irgendein Land auszuwandern um danach zu bemerken, dass das Leben dort auch nicht nur aus Sonne und Meer besteht.
Nun, mal sehen, ob wir einige deiner Fragen beantworten können:
Dass das Netto Gehalt in Italien niedriger ist, als in Deutschland / Österreich / Schweiz / … ist ja schon bekannt.
Die Krankenkasse in Italien (SSN Sistema Sanitaria Nationale) wird durch deine Sozialabgaben (d.h. Arbeitnehmer) bezahlt, d.h. ein Teil von den Steuern ( Brutto – Nettogehalt) geht an die Krankenkasse. Wenn du eine Arbeit in Italien hast, sind dafür deine Frau und Kinder bereits kostenlos mitversichert - die Krankenversicherung des AN deckt somit auch die Familie mit ab.
Eine private Kranken - Zusatzversicherung ist in Italien sehr selten und eher unüblich. Manche Konzerne schließen für ihre Mitarbeiter eine Zusatzversicherung ab, die z.B. Arztrechnungen bis zu einem gewissen Betrag übernehmen.
Wenn man in Italien zu einem staatlichen Arzt geht, bezahlt man durch die Krankenversicherung nichts. Für die verschriebenen Medikamente bezahlt man auf der Apotheke das so genannte „Ticket“, einen Selbstbehalt von ca. 4,5 EUR pro Rezept.
Privatärzte und Spezialisten haben natürlich ihren Preis und die Kosten werden nur zu einem Teil von der Krankenversicherung übernommen.
Teuer ist es beim Zahnarzt. Diese sind großteils Privat und ein Arztbesuch kostet schnell ein paar Hundert Euro. Natürlich gibt es staatliche Zahnkliniken, doch die werden lt. meinen Erfahrungen nur im Notfall besucht, z.B. bei Zahnschmerzen am Sonntag.
Für die Rentenversicherung wir ein weiterer Teil deiner Steuern (Brutto – Nettogehalt) abgeführt. Als Arbeitnehmer zahlst du somit automatisch die Abgaben für die Pensionsversicherung. Die Frau ist leider nicht automatisch mitversichert – entweder sie ist selbst erwerbstätig oder sie müsste eine private Pensionsvorsorge abschließen. Eine private Pensionsvorsorge würde ich als Zusatzversicherung aber auch dir empfehlen – in Italien ist unsere Pension leider genauso ungewiss wie in Deutschland und Österreich.
Ein erfreuliches Thema ist die Kirchensteuer in Italien: diese gibt es nicht!!! Die Kirchensteuer zahlt man in Deutschland, Österreich,… - aber nicht in Italien. Klingt unglaublich, oder?? Dies erklärt auch, warum in Italien keiner aus der Kirche austritt und soooo viele katholisch sind. Kostet ja nichts…
In Summe ist die Steuerbelastung sehr ähnlich zu der von Deutschland und Österreich. Wenn man durchschnittlich verdient, zahlt man ca. 35% Lohnsteuer. Wenn man ziemlich gut verdient, nähert man sich durch das progressive Steuersystem den 50%.
Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig weiter helfen,
LG, Stefan